Die Windkraft nutzt die Menschheit schon seit Ewigkeiten. Schon vor Tausenden von Jahren verhalf die Energie des Windes den Menschen zur Seefahrt, und in Persien wurde im 7. Jahrhundert mit einer der ersten Windmühlen der Welt Getreide gemahlen. Heutzutage wird die Windenergie vor allem bei Windrädern für die Stromerzeugung eingesetzt. Stehen mehrere Windräder zusammen, wird dies als Windpark bezeichnet, wo große Mengen an Strom erzeugt werden können. Aber wie läuft die Stromerzeugung mit Windrädern genau ab? Wie funktioniert eine Windkraftanlage? Und welche Vorteile hat die Windkraft?
Inhalt:
Unter Windkraft oder auch Windenergie versteht man die Nutzung der Bewegungsenergie der Luft zur Erzeugung von Strom. Die kinetische Energie der Luftströmungen trifft auf die Rotorblätter einer Windkraftanlage, versetzt diese in Bewegung, wodurch sich der Rotor dreht und mithilfe eines Generators elektrischer Strom erzeugt wird. Windkraftanlagen werden auch als Windanlage, Windenergieanlage, Windkraftwerk oder Windrad bezeichnet. Windkraft zählt zu den erneuerbaren Energien und ist eine wichtige Säule der Energiewende.
Übrigens: Falls Sie mehr über erneuerbare Energien erfahren möchten, können wir Ihnen unsere Artikel Wie funktioniert Photovoltaik sowie Wie funktioniert Wasserstoff-Energie empfehlen.
1. Turm
Der Turm ist das tragende Element der Windkraftanlage. Er ist über Flächenfundamente oder Tiefgründungen im Boden verankert und hält die Konstruktion. Die Türme von Windenergieanlagen sind heutzutage bereits über 150m hoch.
2. Rotorblätter
Die Rotorblätter sind an einem Rotor angebracht, der sich durch den Wind dreht. Die einzelnen Rotorblätter sind heute deutlich über 50m lang und haben eine aerodynamische Form, sodass sie möglichst viel Energie aus dem Wind gewinnen können.
3. Nabe
Die Nabe ist das zentrale Element des Rotors, an dem die Rotorblätter befestigt sind.
4. Getriebe
Das Getriebe befindet sich in der Nabe und dient dazu, die niedrige Drehzahl des Rotors in eine höhere Drehzahl für den Generator umzuwandeln.
5. Gondel
Die Gondel ist der große Hohlraum auf dem Turm und das Herzstück der Windkraftanlage. Sie hält den Rotor und die Rotorblätter. In der Gondel befinden sich unter anderem der Generator und die Steuerungsanlage und auf der Gondel sind Blitzableiter und Blinklichter für Flugzeuge installiert.
6. Generator
Der Generator wandelt die kinetische Energie (Bewegungsenergie) des Rotors in elektrische Energie um – es entsteht Strom.
7. Steuerung
Die Steuerung überwacht die Leistung der Windkraftanlage und lenkt die Rotorblätter bzw. die Nabe, um sie optimal auf den Wind auszurichten. So wird die Stromerzeugung optimiert.
Funktionsweise
Damit die Windkraftanlage Strom erzeugt, wird sie gegen die Windrichtung ausgerichtet. Durch den Wind drehen sich die Rotorblätter, die die Windenergie mithilfe des Generators in Strom umwandeln. Je höher der Turm ist, desto mehr Strom kann in der Regel gewonnen werden, da der Wind weiter oben beständiger und stärker weht. Windkraftanlagen werden oft in großen Windparks gebaut, um Kosten zu senken z.B. durch nur einen Netzanschluss für alle Anlagen und weil sie gebündelt geringere Auswirkungen auf das Landschaftsbild haben.
Wenn von Windparks gesprochen wird, fallen auch häufiger die Begriffe „Offshore“ und „Onshore“. Aber was bedeuten sie?
Was ist Offshore?
Offshore-Windparks sind Windparks, die auf dem Meer errichtet werden. Sie sind in der Regel leistungsfähiger als Onshore-Windparks, da sie von stärkeren und konstanteren Winden profitieren. Die Errichtung und der Betrieb von Offshore-Windparks sind jedoch komplexer und teurer. Denn sie erfordern spezielle Technologien und Ausrüstungen, um die Anlagen zu errichten und Instand zu halten.
Was ist Onshore?
Onshore-Windparks sind Windparks, die auf dem Festland errichtet werden. Sie sind in der Regel einfacher und kostengünstiger in der Konstruktion, da sie leichter zugänglich sind und keine speziellen Bau- und Betriebsmaßnahmen brauchen.
Windenergie Vorteile
Windenergie Nachteile
Übrigens: 2022 wurden 22% der gesamten Bruttostromerzeugung und 50% der erneuerbaren Energie in Deutschland mit Windkraft erzeugt. Bis 2030 sollen 80% des verbrauchten Stroms in Deutschland aus erneuerbaren Energiequellen kommen.
Das Windrad mit drei Rotorblättern ist die wohl bekannteste Art der Windkraftanlage. Es gibt aber noch andere Arten von Windrädern, die die Windenergie für sich nutzen. Nachfolgend finden Sie eine kurze Liste der verschiedenen Windkraftanlagen:
a) Horizontale Windkraftanlagen
Die klassische Windkraftanlage nutzt die horizontale Windenergie. Meistens sind dies Luv-Läufer, also dem Wind zugewandte Windräder. Doch es gibt auch Lee-Läufer, die die Rotorblätter hinten an der Gondel befestigt haben, sodass sie dem Wind abgewandt sind.
b) Vertikale Windkraftanlagen
Deutlich seltener sind Windkraftanlagen, die die vertikale Windenergie nutzen. Dabei ist die Rotorachse vertikal ausgerichtet, sodass Windströmungen vom Boden in Richtung Himmel genutzt werden können. Die ersten Windmühlen wie z.B. die persische Windmühle war eine vertikale Windkraftanlage.
Zusätzlich gibt es die Savonius-Rotoren (Widerstandsläufer), die wie Segel aussehen, die Darrieus-Rotoren (Auftriebsläufer), die ein bisschen an einen Rührstab erinnern, und die H-Rotoren, die eine Unterart der Darrieus-Rotoren sind und sich in der Form eines „H“ präsentieren. Diese Anlagentypen spielen aber für die Stromerzeugung im kommerziellen Maßstab keine Rolle.
c) Flügellose Windkraftanlagen
Eine recht neue Erfindung sind flügellose Windkraftanlagen. Hier gibt es verschiedene Varianten: Eine Variante fängt den Wind ein und generiert Strom durch den sogenannten Venturi-Effekt, der grob zusammengefasst besagt, dass sich die Strömungsgeschwindigkeit z.B. von Luft bei gleicher Durchflussmenge bei einer Rohrverengung verschnellert.
Eine andere flügellose Windkraftanlage erzeugt Strom dadurch, dass der Windradsockel durch den Wind hin und her schwingt und eine Vibration entsteht. Auch wenn sie großes Potenzial haben, haben diese Anlagen noch Prototypcharakter.
Tipp: So wie bei einem Windrad die Energie des Windes genutzt wird, wird in einem Wasserkraftwerk die Energie des Wassers genutzt. Erfahren Sie mehr in unserem Artikel Wie funktioniert ein Wasserkraftwerk.
Häufig gestellte Fragen und Antworten